Auswirkungen des neuen Busfahrplans

Der lästige Streit um den Eigenbeitrag von zuletzt 16.500 € ist endlich vorbei (Wir haben berichtet)Sammelbeitrag "Letzte Chance für Schnellbus?" und K 87 fährt seit dem 18. April als Schnellbus. Nun ist es Zeit, die nächste Fahrplanänderung Jahreswechsel 2017/18 zu betrachten. Dieser Text analysiert die Folgen der erfolgten Änderung um Verbesserungsideen für 2018 zu finden. Aktuell sammelt auch die Stadt Reinheim Feedbacks zum neuen Bussystem (Mehr unten).

Situation

Der ÖPNV im Landkreis Darmstadt-Dieburg muss die Aufgabe bewältigen, Fahrgäste einerseits zwischen kleineren Gemeinden und andererseits in großer Zahl von und nach Darmstadt zu befördern. Das Straßennetz verbindet jedoch nicht die Dörfer und Städte auf direktem Weg in Richtung Metropolregion, sondern führt die Hauptverkehrsadern an den Siedlungen vorbei. Busse, die alle Orte anfahren haben daher eine sehr lange Fahrzeit bis Darmstadt. Um eine Schnellverbindung anzubieten, müssen Ortschaften ausgelassen werden. Das führt zu langen Fahrzeiten in denen keine Haltestelle angefahren wird, also zu einer ineffizienten Auslastung der Betriebsmittel.

Welcher Bus nun welche Ortschaften anfahren soll, ist eine schwierige Entscheidung, die sich bei der Dadina auch danach richten musste, wie viel Eigenbeiträge die Gemeinden zahlen. Wenn es 2018 gelingt, das Manko der Eigenbeiträge abzuschütteln, stellt sich um so mehr die Frage, nach welchen Kriterien für oder gegen die Durchfahrung einer Ortschaft entschieden werden soll.

Eine perfekte Minimierung der Fahrzeiten für jede Haltestelle nach bestmöglicher Abwägung der Wichtigkeit (Anzahl Fahrgäste, Fahrziele, etc) ist planerisch nicht durchführbar. Der Nahverkehrsplan legt nur grobe Vorgaben fest, etwa wie viele Busse/Züge zwischen Zielorten je nach Einwohnerzahl pro Stunde fahren sollen, nicht aber wie lange die Fahrzeiten sein dürfen.

Die Linien K 55 und K 85 waren in der Vergangenheit oft überfüllt. Wie sich zeigte hat die Dadina mit dem jetzigen Fahrplan (ab 18.4.) also die Anzahl an Bussen für jede Haltestelle hochgehalten, um hohe Bevörderungszahlen zu erreichen.

Vergleich Schnellbus- vs. Sammelbuskonzept

Um die Bevörderunsproblematik mit verschiedenen Konzepten zu veranschaulichen, wird hier ein einfaches Beispiel betrachtet: Von zwei Ortschaften A und B möchten pro Stunde je 30 Personen in eine Metropole C und zurück gelangen. Eingesetzt wird genau ein Bus, der entweder A und B nacheinander (Sammelbus) oder abwechselnd (Schnellbus) bedienen kann. Welches Konzept besser ist, hängt hier davon ab, wie lange der Weg nach C im Vergleich zum Weg zwischen A und B ist.

Fall 1

SammelbusSchnellbus
Route$\overset{~~~\,+30}C \underset{5}\rightarrow \overset{-15\,~~~}A \underset{10}\rightarrow \overset{-15\,+15}B \underset{10}\rightarrow \overset{~~~\,+15}A \underset{5}\rightarrow \overset{-30\,~~~}C$$\overset{~~~\,+15}C \underset{10}\rightarrow \overset{-15\,+15}B \underset{10}\rightarrow \overset{-15\,+15}C \underset{5}\rightarrow \overset{-15\,+15}A \underset{5}\rightarrow \overset{-15\,~~~}C$
Umlaufzeit30 min30 min
ø Fahrzeit10 min7,5 min
ø Auslastung22,5 Personsn15 Personen
Max. Auslastung30 Personen15 Personen
ø eff. Wegzeit25 min22,5 min
Aufgrund der geringen Entfernung zu C schneidet hier das Schnellbuskonzept klar besser ab.

Fall 2

SammelbusSchnellbus
Route$\overset{~~~\,+40}C \underset{10}\rightarrow \overset{-20\,~~~}A \underset{10}\rightarrow \overset{-20\,+20}B \underset{10}\rightarrow \overset{~~~\,+20}A \underset{10}\rightarrow \overset{-40\,~~~}C$$\overset{~~~\,+25}C \underset{15}\rightarrow \overset{-25\,+25}B \underset{15}\rightarrow \overset{-25\,+25}C \underset{10}\rightarrow \overset{-25\,+25}A \underset{10}\rightarrow \overset{-25\,~~~}C$
Umlaufzeit40 min50 min
ø Fahrzeit15 min12,5 min
ø Auslastung30 Personsn25 Personen
Max. Auslastung40 Personen25 Personen
ø eff. Wegzeit35 min37,5 min
In diesem Fall schneiden beide Konzepte etwa gleich gut ab. Bei der Schnellbuslösung sind hier tendentiell weniger Fahrgäste gleichzeitig im Bus (Auslastung), der Fahrzeitvorteil wird jedoch durch die selteneren Fahrten (längerer Umlauf) aufgehoben.

Fall 3

SammelbusSchnellbus
Route$\overset{~~~\,+50}C \underset{15}\rightarrow \overset{-25\,~~~}A \underset{10}\rightarrow \overset{-25\,+25}B \underset{10}\rightarrow \overset{~~~\,+25}A \underset{15}\rightarrow \overset{-50\,~~~}C$$\overset{~~~\,+35}C \underset{20}\rightarrow \overset{-35\,+35}B \underset{20}\rightarrow \overset{-35\,+35}C \underset{15}\rightarrow \overset{-35\,+35}A \underset{15}\rightarrow \overset{-35\,~~~}C$
Umlaufzeit50 min70 min
ø Fahrzeit20 min17,5 min
ø Auslastung32,5 Personsn35 Personen
Max. Auslastung50 Personen35 Personen
ø eff. Wegzeit45 min52,5 min
Hier schneidet das Schnellbuskonzept sehr schlecht ab. Die Umlaufzeit wird zu lang, daher steigt die Auslastung (weil sich zwischen den Fahrten mehr Personen ansammeln) und die Wartezeit zwischen den Verbindungen, die in die effektive Wegzeit eingeht, wird sehr lang.

Vergleich der Fahrpläne

In der Verbindungssuche von RMV sind seit einiger Zeit sowohl die alten, als auch die neuen Fahrpläne modelliert. Für den alten Plan dient hier der 21.3. als Referenztag, für den neuen Plan der 2.5. Betrachtet werden die Verbindungen eines ganzen Tages. Da nachts keine Busse fahren, müssen hier zwingend auch die Fahrgastzahlen zur Gewichtung herangezogen werden. Diese sind jedoch nicht verfügbar. Daher wurde die Nacht mit 0 gewichtet die Schwachverkehrszeit mit 1, die Tagesverkehrszeit mit 2, die morgendliche Hauptverkehrszeit mit 4 und die nachmittägliche Hauptverkehrszeit mit 3 "Fahrgästen alle 15 Minuten", wobei es hier nicht um die genaue Anzahl der Fahrgäste sondern nur um die Verhältnisse der Verkehrszeiten geht:

(Scripte zur Berechnung dieser durchschnittlichen Zeiten auf Nachfrage)
Nicht beachtet wird in diesem Modell:
  • dass einige Fahrgäste ihre Termine/Arbeitszeiten an den Fahrplan anpassen können und z.B. immer die schnellste Verbindung innerhalb einer Stunde nehmen können
  • dass der alte Fahrplan immer wieder erhebliche Verspätungen mit sich brachte, die besonders schwer wiegen

Alleine im Hinblick auf die Wegzeiten bringt das neue System für die betrachteten Stadtteile und Ziele dennoch einen gewissen Nachteil mit sich. Trotz Verdopplung von K 55 und Ausbau von K 58 fällt der Vorteil für Ueberau eher bescheiden aus. Ueberau profitiert nicht vom Schnellbus und die Umsteigezeiten in Reinheim sind nach wie vor schlecht. Für die Fahrt nach Groß-Bieberau ist die schnellste Verbindung oftmals K 55 + K 85 mit Umstieg in Georgenhausen (!). Umgekehrt verschluckt K 87 für Spachbrücken und Reinheim immer eine komplette Fahrt von K 55 (Man müsste mit K 55 früher los fahren, wäre aber später da). Trotz der jetzt phänomenal kurzen Fahrzeit von Georgenhausen nach Groß-Bieberau verschlechtert sich auch hier die Bilanz: Wenn K 85 gerade nicht fährt, stehen meist nur Verbindungen mit langer Umsteigezeit zur Verfügung. Im alten System gab es mehr Verbindungen mit kürzerer Umsteigezeit.

Die untersuchten Verbindungen spiegeln nur einen kleinen Teil des Systems wieder und können daher nicht als repräsentativer Vergleich dienen, zumal die Scripte noch von mehreren Personen geprüft werden müssen. Dennoch sehen wir Verbesserungspotential für zukünftige Fahrplanänderungen. Die Dadina plant offenbar, K 87 weiter auszubauen, wenn dieser ausreichend stark genutzt wird. Ob dies wirklich die beste Lösung ist, gilt es zu überprüfen.

Nicht zu vergessen ist, dass mit dem neuen System die Busse deutlich seltener überfüllt sein dürften. Man fährt jetzt also länger, aber dafür auch bequemer. Deckt sich diese Aussage mit Ihren Erfahrungen? Wir sammeln Probleme und Ideen rund um den neuen Fahrplan. Erfreulicher Weise tut die Stadt dies auch. Bis zum 24.4.2017, 18:00 können Sie sich zusätzlich an die Stadt (vorzimmer@reinheim.de) wenden.

Mitja StachowiakMitja Stachowiak
Student

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